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„WIR MÜSSEN KINDER ERMUTIGEN ZU TRÄUMEN“

Am 6. Mai findet der Weltkindermaltag zum elften Mal statt. STAEDTLER ruft unter dem Motto „Wenn ich groß bin…! / Follow your dream …!“ kleine Künstler dazu auf, ihre Traumberufe auf Papier zu bringen. Der weltweite Aktionstag soll Kinder zum Malen und Kreativsein anregen – und das Ganze für den guten Zweck.

In diesem Jahr unterstützt Ulrike Jährling den Weltkindermaltag als Expertin. Die Reporterin und Moderatorin, die unter anderem für den Deutschlandfunk Kultur die Kindersendung „Kakadu“ moderiert, erzählt im Gespräch, weshalb kreatives Ausprobieren für die Entwicklung von Kindern so wichtig ist und warum Freiräume für Gestaltung in jedem Kinderzimmer geschaffen werden sollten.

Im Gespräch mit Ulrike Jährling

Frau Jährling, Sie begleiten STAEDTLER und den Weltkindermaltag in diesem Jahr zum ersten Mal. Welche Bedeutung hat der Aktionstag für Sie persönlich?

Der Weltkindermaltag ist ein schönes Beispiel, zu zeigen, welche Kraft durch Kreativität entfacht werden kann.
Ich übernehme mit meiner Arbeit in den öffentlich-rechtlichen Medien und auch immer wieder im Kleinen Verantwortung, indem ich Werte transportiere.

Welche Rolle spielt dabei der gute Zweck?

Ich sehe, dass Kinder von heute schon extrem viel mitbekommen von der Welt. Die Kinder von heute wissen, dass es vielen Kindern schlechter geht als ihnen. Das bedrückt sie. Sie wollen helfen, können es aber nicht, zumal die Krisenländer einfach zu weit weg und daher zu abstrakt sind. Deswegen ist der WKMT so ein schöner Ansatz: ich kann ein Bild malen und kann mit diesem Bild einen Beitrag leisten. Ich kann Verantwortung übernehmen und etwas bewegen. Es ist ein schönes Signal zu sagen, wenn ich male und noch jemand malt und noch jemand malt, dann sind wir bald eine richtig starke Masse.

Worauf muss man achten, um Kinder für kreative Themen zu begeistern?

Gute Projekte für Kinder leben davon, dass Kinder ins Tun kommen. Die Themen müssen mit ihrer Lebenswelt zu tun haben: Gefühle, Familie, das Haustier oder Sorgen in der Schule. Kinder wollen emotional angesprochen werden und Spaß haben. Keine Erwartungshaltungen, bitte: auch nicht beim Malen. Es ist toll, dass Du malst und Dich ausprobierst! Man bekommt Kinder über ein spaßbetontes, lustorientiertes Tun zu diesen Tätigkeiten. Und über Wertschätzung. Wir sprechen über die gemalten Bilder und die Idee dahinter. Wir bewerten sie aber nicht.

ECHTE KREATIVITÄT ENTSTEHT EIGENTLICH, WENN NICHT SO VIEL DA IST.

Sind Kinder nicht eigentlich grundsätzlich immer kreativ?

Kinder kommen extrem neugierig zur Welt, sie haben Fantasie, machen Krach, malen los und bringen die Welt zum Klingen. Die Jüngsten sind immer kreativ, wenn sie den Raum dafür haben. Ihre weitere Entwicklung hängt extrem von den Lebensumständen ab – von den Familien, in denen Kinder aufwachsen, was es dort für Vorbilder und Angebote gibt und welche Freiräume ihnen dort geboten werden.

Und damit sind dann die Eltern gefordert oder wen sehen Sie in der Pflicht?

Ja, wenn zum Beispiel ein iPad im Kinderzimmer landet – auf dem man ja auch kreativ spielen kann – dann ist doch auch schnell ein Film angemacht und Kreativität ganz schnell verschwunden. Unsere Kinder werden mit Reizen überflutet. Die Kinderzimmer sind extrem voll. Die Terminkalender sind extrem voll. Und echte Kreativität entsteht eigentlich, wenn nicht so viel da ist. Die Eltern sind schon sehr unter Druck durch unsere Leistungsgesellschaft. Kreativsein ist so etwas Tolles, aber es scheint bei Eltern heute Stress zu generieren. Sie bauen zum Teil enorme Erwartungshaltungen auf.

Blockieren technische Einflüsse oder zu viele Anleitungen die Kreativität?

Es sind nicht per se die technischen Geräte. Die Frage ist eher, wie wir mit veränderten Lebenswelten umgehen und wie wir unsere Kinder schützen und anleiten. In der Stadt haben Kinder weniger Freiheiten als früher, das ist auf dem Dorf noch anders. Der Forschergeist, der in Kindern steckt und den sie brauchen, um sich zu entfalten: Sinnliches Tun und Naturgesetzmäßigkeiten erkunden – die Natur und eine natürliche Umgebung halte ich für einen ganz wichtigen Raum, um erste Entdeckungen zu machen! Die digitale Kompetenz ist unverzichtbar, aber: vorher braucht es die sinnlichen Erfahrungen.

MALEN IST NICHT GLEICH MALEN, VIELE TECHNIKEN KÖNNEN GELERNT WERDEN. ICH KANN MIT SO VIELEN MITTELN DAS BLATT FÜLLEN.

Was ist für Bildungseinrichtungen, Schulen, Kindergärten besonders wichtig, um gute Förderung zu garantieren?

Es muss eine Vielfalt an Materialien da sein und natürlich das Know-how bei den anleitenden Kräften. Gut ausgebildete Pädagogen wissen, welches Material sie wann einsetzen. Ein spitzer Bleistift schürt am Anfang eher Ängste, mit großem Pinsel und Farben komme ich da viel weiter. Viele Kinder haben heute motorische Defizite. Gut, wenn Lehrer hier gegensteuern und sich zum Beispiel erstmal mit ihren Kindern vor A2 Blätter stellen und mit dicken Wachsmalstiften und vollem Körpereinsatz große, bunte Kreise malen. Das bringt Lockerheit in den Körper und nimmt die Befangenheit. Malen ist nicht gleich Malen, viele Techniken können gelernt werden. Ich kann mit so vielen Mitteln das Blatt füllen. Einmal den Pinsel richtig borstig werden lassen und dann schräg tupfen und plötzlich bekommt meine gemalte Katze ein richtig weiches Fell. Das macht Spaß und dann will ein Kind auch weitermachen. Wir brauchen authentische Pädagogen, die mit ihrer Begeisterung ansteckend sind. Und natürlich kommt dann auch der Blick zu den „Großen“ dazu, der Gang vielleicht ins Museum oder in die Galerie. Kinder sollten erfahren, dass sie sich etwas trauen können. Franz Marc hat ein blaues Pferd gemalt, bei Gauguin kann die Ziege fliegen. Es muss nicht alles real und echt sein. Kunst ist frei, Kreativität sollte es auch sein. Und Bewertung in Form von Zensuren gehört hier eher nicht hin.

Werden denn überall die richtigen Rahmenbedingungen für kreative Inspiration geschaffen?

Das bringt mich noch einmal auf Ihre Frage, was die Bildungseinrichtungen brauchen. Ebenfalls Wertschätzung! Und diese eben auch in Form von guter Ausstattung und genügend Personal, dessen Arbeit oft noch nicht genügend Anerkennung erfährt. Generell wird sehr viel Wert auf Kernfächer gelegt. Das ist wichtig. Aber es ist auch wichtig, dass wir gut ausgebildete Kunst- und Musiklehrer haben. Die Lobby für Kreativräume ist leider kleiner. Viel hängt da natürlich vom Schultyp ab.

Was würden Sie Eltern raten, wenn sie auf der Suche nach besonderen Inspirationsquellen sind?

Es gibt ganz viele Elternblogs im Netz, wo man sich so manche Anregung holen kann. In der Kita und der Schule gibt es auch immer viele Inspirationen, viele Museen haben tolle Mitmach-Angebote für Kinder. Ein Anlass wie der Weltkindermaltag ist gut, um Eltern ins Boot zu holen. Eine Aktion kann ein besonderes Ausrufezeichen sein!

Der diesjährige Weltkindermaltag trägt das Motto „Wenn ich groß bin…!“. Wie kann man Kinder darin bestärken, ihre eigenen Träume zu verwirklichen?

Wie kann ich mich denn als Kind wirklich verwirklichen? Ich kann Kinder ermutigen, zu träumen. Nicht mit meinem Erwachsenenblick, der sehr realistisch und abgeklärt ist, aber eben auch unkreativ. Wir grätschen manchmal unbewusst in die Visionen der Kinder rein. Ich finde es wichtig, dass wir die Traumwelt der Kinder offenhalten und sie ernst nehmen und stark machen, ihre Persönlichkeit respektieren und ihnen ihren Entfaltungsraum geben.

KINDER HABEN KEINE ZIELE – KINDER HABEN TRÄUME.

Wie verändern sich denn Träume und Ziele bei Kindern?

Kinder haben eigentlich noch keine Ziele, das ist Wortschatz der Erwachsenen. Kinder haben aber Träume. Die Kinder, die als kleine Kinder wirklich stark werden konnten, die ihren Weg gehen konnten, hatten Eltern, die eine gewisse Gelassenheit an den Tag gelegt haben, die die Schule nicht so hoch gehängt haben. Eltern, die gewartet haben, bestärkt und motiviert, aber auch belassen haben. Das sind Kinder, die ihren Weg gehen, Träume und Ziele verwirklichen, weil sie Selbstvertrauen haben.

Werden damit auch schon Berufswünsche der Kinder geprägt?

Es ist immer eine Frage der Zeit und des Umfelds, was Kinder werden wollen. Ich höre heute oft als Berufswunsch „Umweltschützer“ und mein Sohn wollte „Freiberufler“ werden. Die Bücher-, Film- und Medienwelt beeinflusst aber nach wie vor: Kinder wollen Archäologe werden wie Indiana Jones oder Fußballer wie Ronaldo. Zum Teil werden immer noch Rollenmodelle stark forciert und auch durch unsere Sprache geprägt. Wenn Kinder hören, dass es einen Arzt gibt, einen Anwalt und einen Richter, aber eine Frisörin, eine Lehrerin, eine Erzieherin und eine Kassiererin, dann stimmt etwas nicht. Das steckt ganz oft noch in den „Wenn-ich-mal-groß-bin-Bildern“. Da haben wir eine Verantwortung als Eltern, als Medienschaffende und in der Schule, dass sich da etwas ändert.

Was war denn früher Ihr Kindheitstraum?

Ich wollte Ornithologin werden…oder die Schwester von Old Shatterhand. Mein Vater hat sehr gut Vogelstimmen erkannt in unserem Garten. Umso lustiger, dass ich heute eine Sendung moderiere, die als Maskottchen einen Vogel hat. „Kakadu“ heißt die Sendung. So viel zu Prägungen im Kindesalter.
 

Vielen Dank für das Gespräch Frau Jährling!

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