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Wie Kindergedanken bunt wurden

Wie Kindergedanken bunt wurden
15 min

Eine kurze Geschichte des Farbstifts: Sonnengelb, Lavendel, Limonengrün: Farben gehören heute in fast jedes Kinderzimmer. Insbesondere der Buntstift ist zum treuen Begleiter und Gestalter einer Kindheit geworden. Er verleiht der kindlichen Perspektive auf die Welt einen ersten Ausdruck. 1834 brachte Johann Sebastian Staedtler in Nürnberg einen Farbstift auf den Markt, der es erlaubte, präziser, sauberer und vor allem bunt zu zeichnen. Spätestens Ende des 19. Jahrhunderts entdeckte das Unternehmen STAEDTLER, damals noch J.S. Staedtler, Kinder als Zielgruppe für sich. Was Kinder heute beschäftigt, wie sie die Welt sehen und in welchen Farben diese für sie schillert, macht einmal mehr der Weltkindermaltag am 6. Mai sichtbar. Der deutschlandweite Malwettbewerb von STAEDTLER steht jedes Jahr unter einem besonderen Motto.

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Unter dem Namen „Creta Polycolor“ bot das Nürnberger Unternehmen J.S. Staedtler ab Mitte des 19. Jahrhunderts Stifte in einer breiten Farbpalette an. Die Produktillustration von 1909 zeigt sie in reich verzierten Packungen.
Bildrechte: STAEDTLER Unternehmensarchiv

Zeichenkohle, Röthel und Pastell

Das Kind als Künstler? Kindergedanken, schnell und farbig zu Papier gebracht, als eine Ausdrucksform, der Erwachsene Aufmerksamkeit schenken? Rund um den Weltkindermaltag am 6. Mai teilen Kinder weltweit ihre Ideen. Dass wir heute in ihren bunten Zeichnungen Geschichten entdecken können, hing auch mit einer technologischen Innovation zusammen. Die Künstler von einst hatten nicht nur mit der Unverwechselbarkeit des eigenen Pinselstrichs zu tun, sondern auch mit der komplexen Herstellung ihrer Farben. Wer vor 400 Jahren mit trockenen Materialien malen wollte, konnte sich zwischen Zeichenkohle, Röthel und Pastellkreiden entscheiden, durfte jedoch keine Angst vor schmutzigen Händen haben. Das änderte sich ab dem 17. Jahrhundert mit der Entwicklung des holzgefassten Bleistifts. Auch in Nürnberg wurden mit Beginn des 18. Jahrhunderts neben Graphit ebenfalls Röthel und Pastellkreide nach und nach in eine Holzfassung eingepasst. Der holzgefasste Stift, genauer seine massenhafte Produktion, machte Schreiben und Malen für viele erschwinglich. Nur wenige Heller, Pfennige oder Kreuzer dürfte ein Röthelstift um 1740 je nach Qualität gekostet haben. Immerhin deckten Röthelstifte bereits ein Farbspektrum von hellem, dunklem bis violettem Rot oder Rotbraun ab.

Feiner Strich, gute Haftung

Heute klingt es fast schon banal, im 19. Jahrhundert aber war es eine entscheidende Innovation: In Nürnberg gelang es Johann Sebastian Staedtler um 1834, den Röthelstift so zu verbessern, dass er sich „gleich Bleistiften auf das Feinste spitzen ließ“, feine Strichstärken ermöglichte und besser auf Papier haftete. Er entwickelte ein Verfahren zur Herstellung verschiedenfarbiger Ölkreideminen, in dem Farbpigmente mit Bindemitteln vermischt, mehrmals gemahlen, gepresst und im Ofen getrocknet wurden. Abschließend wurden die Farbminen mit Wachs imprägniert. Die von ihm 1835 gegründete Firma J.S. Staedtler spezialisierte sich schließlich auf die Produktion dieses neuen Farbstifts. „Der Griff zum Buntstift ist heute, nicht nur zum Weltkindermaltag, eine Selbstverständlichkeit, die aber erst einmal auf den Weg gebracht werden musste, wie wir dank unseres Unternehmensarchivs nachzeichnen können“, so Britta Olsen, Leiterin Marke & Kommunikation bei STAEDTLER.

Ab Mitte des 19. Jahrhunderts betrieb die Familie Staedtler eine Bleistiftfabrik in Nürnberg mit den Adressen Hadermühle 23 b und Flaschenhof 31-34. Im Jahr 1866 stellte sie über zwei Millionen Farb- und Bleistifte her. Der undatierte Kupferstich bildet die Bleistiftfabrik J.S. Staedtler um das Jahr 1860 ab.
Bildrechte: STAEDTLER Unternehmensarchiv
Von „Yellow Lake“ über „Prussian Blue“ bis hin zu „Van Dyke Brown“ reichte die Palette der Farbstifte von J.S. Staedtler im Jahr 1909. Der Katalog präsentiert insgesamt 60 von 100 verfügbaren Farben – geeignet für „Artists, Engineers, Schools (…) and for Office and General Use.“
Bildrechte: STAEDTLER Unternehmensarchiv

„Farbstifte, kurze, für Kinder“

Im ersten erhaltenen Katalog aus dem Jahre 1860 bot J.S. Staedtler seine Farbstifte bereits unter der Produktmarke „Creta Polycolor“ in 100 verschiedenen Farben an, beispielsweise in „englisch Dunkelrot“, „Meergrün“ oder „Azurblau“. In der jeweiligen Farbe poliert und mit einem Goldstempel versehen, sollten die holzgefassten Farbstifte zunächst Künstler oder Kaufleute begeistern. Aufgrund ihrer leichten Handhabung und des erschwinglichen Preises ist jedoch davon auszugehen, dass auch bürgerliche Kinder und Jugendliche die Farbstifte, zum Beispiel im Kunst-Unterricht durch Haus- und Privatlehrer, nutzten. Es sollte nicht mehr lange dauern, bis J.S. Staedtler Kinder ganz offiziell als Zielgruppe für sich entdeckte, wie eine „Illustrierte Preisliste“ von 1898 nahelegt: Im Inhaltsverzeichnis findet sich dort der Eintrag „Farbstifte, kurze, für Kinder“, der auf „kurze farbige Oelkreide-Stifte in Cedernholz Creta Polycolor 11 cm lang“ verweist.

In Schule und Kunst

Seit 1925 führt STAEDTLER eine eigene Produktlinie für „Kinder, Schüler, Anfänger“, die zumeist in der Schule, vor allem im künstlerischen Unterricht zum Einsatz kam. Sie erschien erstmals im „Illustrierten Katalog A4 (Ausgabe 1925)“. Etwas nonchalant sollten Händler darin überzeugt werden, Kinder und Schüler mit der Produktgruppe „Billige Farbstifte für Schulzweck“ zu erreichen. Erhältlich waren die Stifte in mit kindlichen, auch märchenhaften Motiven bedruckten Schachteln. Die Farbauswahl richtete sich nach den „in Schulen vorgeschriebenen Farben.“

Blei- und Farbstifte sollten bereits vor einem Jahrhundert stilvoll aufbewahrt
werden. So bot J.S. Staedtler in den 1910-er Jahren eine Auswahl von 12 Creta Polycolor-Stiften in einem flachen Schiebetui, das für Erwachsene 17,5 cm und für Kinder 11 cm lang war.
Bildrechte: STAEDTLER Unternehmensarchiv

Für weitere Fragen zur Geschichte des Buntstifts bei STAEDTLER, genauso zu Quellen aus dem STAEDTLER-Archiv, stehen wir gerne zur Verfügung.